Mit dem Rollstuhl in die USA – ein Erfahrungsbericht
New York - San Francisco - Los Angeles - Las Vegas - Grand Canyon

San Francisco

Nun stand der fünfstündige Weiterflug an die Westküste auf dem Programm. Dieser unterschied sich nicht wesentlich von dem nach New York, einzig der Sicherheitscheck und das Abtasten von mir waren wesentlich genauer. Unter anderem wurde auch das Material meiner Schuhe, meines Rollis und meines Sitzkissens getestet. In die Maschine und wieder heraus zu gelangen, war natürlich kein Problem.

Zu empfehlen ist generell, ca. 1 Std. vor Landung nochmals das Bordpersonal anzusprechen, um sicherzustellen, dass am Zielflughafen eine Ausstiegshilfe bereit steht. Außerdem sollte man sicherheitshalber darauf hinweisen, dass der eigene Rolli nicht auf das Gepäckband geschmissen wird, sondern direkt nach Verlassen der Maschine bereit steht. Klappte aber auf der gesamten Reise alles problemlos.

In San Francisco angelangt, standen wir am Flughafen vor einem kleineren Problem. Der reservierte Mietwagen verfügte nicht, wie gebucht, über eine Handgas-Bedienung, sodass meine Frau erst mal alleine fahren musste. Jedoch wurde problemlos ein entsprechendes Fahrzeug für den nächsten Tag organisiert. Hier scheinen die Auflagen etwas unkomplizierter als in Deutschland zu sein. Eine Pedalsperre, spezielle Blinkerschalter oder einen Lenkradknopf gab es nicht. So war zumindest das Lenken in engen Kurven etwas gewöhnungsbedürftig, nach einiger Zeit klappte es aber ganz gut. Außerdem befand sich der Handgas-Hebel links, während er in meinem eigenen Fahrzeug rechts ist. Aber auch daran gewöhnte ich mich bald.


Unser Mietwagen, ein Chevrolt Impala

In dieser Stadt bemerkten wir schnell, dass es gut war, über ein Auto zu verfügen. Als Rollifahrer hat man „zu Fuß“ schlechte Karten. Direkt am ersten Tag wollten wir zu einer Sehenswürdigkeit (Lombard Street), die gerade 1,3 km vom Hotel entfernt war. Kein Problem, dachte ich, jedoch ging es auf dem Weg dorthin 5x hoch und 7x runter – mit langen Steigungen/Gefällen von über 20 %, die man glaube ich selbst als fittester Rollstuhlfahrer nicht alleine hoch kommt (sieh. Fotos). Die „Cable Cars“, eine Art Straßenbahn, sind mit Rolli nicht zugänglich, sodass wir fortan das Auto nutzten, um von A nach B zu gelangen.


"Leichter" Anstieg...

Parkplätze sind in San Francisco nicht leicht zu ergattern, es gibt allerdings genügend ausgewiesene Rolli-Parkplätze. Ich benutzte meinen europäischen Parkausweis, legte aber vorsichtshalber noch einen Zettel daneben, welcher auf der-querschnitt.de empfohlen wurde: http://www.der-querschnitt.de/archive/8836/2014-08-04-14_19_24-greenshot

Damit gab es keine Probleme. Grundsätzlich scheint es in den USA bereits mit geringeren Geheinschränkungen möglich zu sein, eine Parkerleichterung zu erhalten. Man sah viele PKW, die eine Genehmigung am Innenspiegel hängen hatten. Jedoch gibt es selbst an noch so abgelegenen Orten solche Parkplätze und – noch viel wichtiger – sie werden respektiert, was sicherlich auch an den hohen Strafen von mindestens 250 $ liegt. Ich habe kein einziges Auto, auch nicht „nur kurz“, ohne Berechtigung auf einer solchen Fläche gesehen. 

Die Gefängnisinsel Alcatraz war eine der Hauptattraktionen während unseres Besuchs. Hier hatten wir dank einem vorherigen Tipp schon frühzeitig Tickets über das Internet gekauft, ansonsten hätten wir Pech gehabt, da vor Ort erst für fünf Tage danach Karten erhältlich waren. Man wird mit einem kleinen Schiff zu der Insel gebracht. Um letztendlich zum Gefängnis zu gelangen, steht für mobilitätseingeschränkte Personen eine (kostenlose) kleine Bahn bereit, mit der man nach oben fahren kann. Insgesamt hat sich dieser Besuch absolut gelohnt, ein (deutscher) Audio Guide führte uns durch die Katakomben und verschiedene Erzählungen von ehemaligen Gefangenen sorgten für eine entsprechend authentische, düstere Atmosphäre.


Mit diesem Shuttle gelangen Rollstuhlfahrer zum Alcatraz-Gefängnis (hinten kann man per Rampe auf den "Zug" auffahren)

Ein Aussichtspunkt über die Stadt, der Coit Tower, konnte leider nicht besucht werden, da gerade der Aufzug defekt war. Da aber auch keine Treppe vorhanden ist, war ich wenigstens nicht der Einzige, der unten bleiben musste Ansonsten machten wir einen Spaziergang an der Küste rund um Pier 39, eine Stadtrundfahrt mit dem PKW und fuhren natürlich über die Golden Gate Bridge. Hier hatten wir den optimalen Zeitpunkt abgewartet, da die Brücke aufgrund ihrer Lage häufig von Wolken bedeckt ist, selbst wenn im Rest der Stadt schönstes Wetter herrscht. Die Aussichtspunkte sind ebenfalls gut erreichbar und es gibt an allen markanten Punkten ausgewiesene Rollstuhl-Parkplätze.


Golden Gate Bridge


Ein Blick auf die Stadt


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